Blindenbildungsanstalt/ Blindenmuseum | Botanischer Garten/ Botanisches Museum | Fichtenberg | Matthäuskirche | Rathaus Steglitz | Rosenkranz-Basilika | Schlossparktheater | Schwartzsche Villa | Spiegelwand | Ehem. SS-Verwaltungs- und Wirtschaftshauptamt | Titania-Palast | Wrangelschlösschen

Blindenbildungsanstalt/ Blindenmuseum

Die Vorgängerin der heutigen Blindenbildungsanstalt, die am 13. Oktober 1806 auf Grund einer Order von Friedrich Wilhelm III gegründete „Preußisch-Königliche Blindenanstalt“, hatte ihren Sitz zunächst in der Gipsstraße in Berlin-Mitte. Sie war die erste deutsche Blindenschule und nach Paris (1784) und Wien (1804) die dritte in Europa. Ihr Gründer und Direktor war Johann August Zeune, der 1877 in der Rothenburgstraße 14 das noch heute bestehende Schul- und Verwaltungsgebäude errichtete.

In einem Nebengebäude befindet sich das bereits 1891 gegründete und in Deutschland einmalige Blindenmuseum. Nach mehreren Unterbrechungen ist es seit 1983 wieder hier angesiedelt und bietet blinden und sehenden Menschen Exponate zum Anfassen. An der Außenwand des Blindenmuseums erinnert eine Gedenktafel an Betty Hirsch (1873–1957). Als ehemalige Schülerin der Blindenschule gründete sie im Jahre 1914 hier gemeinsam mit dem Augenarzt Dr. Paul Silex die „Kriegsblindenschule Dr. Silex“. Zur Zeit des Nationalsozialismus musste Betty Hirsch wegen ihrer jüdischen Herkunft die Schulleitung abgeben und Deutschland verlassen. Die damals begonnene Arbeit wird in der jetzigen Johann-August-Zeune-Schule für Blinde und Berufsfachschule Dr. Silex-Förderzentrum Sehen fortgesetzt. Weiterhin arbeitete und lebte auf dem Schulgelände der als Erfinder der Punktschrift-Steno-Maschine bekannt gewordene Oskar Picht (1871–1945), der in den Jahren von 1920 bis 1933 als Direktor der Blindenbildungsanstalt amtierte.

In der Rothenburgstraße 15 angesiedelt ist das Blindenhilfswerk Berlin e. V., das 1886 als Verein zur Beförderung der wirtschaftlichen Selbständigkeit der Blinden gegründet wurde. Die Blindenwerkstatt ermöglicht blinden Menschen eine produktive Tätigkeit, vorwiegend auf den Gebieten der Möbel- und Korbflechterei sowie des Besen- und Bürstenbindens. In einem Laden kann man die Produkte käuflich erwerben.

Rothenburgstraße 14/15
www.blindenmuseum-berlin.de
www.blindenhilfswerk-berlin.de

Botanischer Garten/ Botanisches Museum

Der Botanische Garten ist mit seinen ca. 23.000 Pflanzenarten und seinen 42 ha Gesamtfläche die größte Anlage dieser Art in Deutschland. Das Große Tropenhaus ist mit einer Höhe von 25 m, einer Länge von 60 m und einer Breite von 29 m eines der imposantesten und größten freitragenden Gewächshäuser der Welt.
Der Ursprung des Botanischen Gartens liegt im zu klein gewordenen Lust- und Kräutergarten am ehemaligen Stadtschloss. 1679 befahl daher der Große Kurfürst die Erweiterung seines Schöneberger Küchengartens zu einem kurfürstlichen Mustergarten. 1718 unterstellte der sparsame Soldatenkönig den Garten der Preußischen Akademie der Wissenschaften, weil er ihm zu teuer wurde. Um 1815 entstand aus den umfangreichen botanischen Arbeiten C.L. Willdenows das königliche Herbar. 1879 wurde daraus das königliche Botanische Museum, in dem die ständig wachsende Pflanzensammlung wissenschaftlich bearbeitet wurde. Allmählich wurde auch die Schöneberger Anlage zu klein. Der Umzug auf den ehemaligen Kartoffelacker der Domäne Dahlem war 1910 unter der Leitung von A. Engler abgeschlossen.

Das Botanische Museum wurde 1910 erstmalig errichtet. Nach schweren Kriegszerstörungen musste das Museum neu aufgebaut werden. Es beherbergt das einzige rein botanische Museum in Deutschland.

Königin-Luise-Straße 6-8
 www.botanischer-garten-berlin.de

Fichtenberg

Der zwischen der Schlossstraße und dem Botanischen Garten gelegene Fichtenberg ist mit 68 Metern die höchste Erhebung in Steglitz. Als geologischer Teil des Berlin-Brandenburger Teltow bildet der Fichtenberg die Quelle des historisch und landschaftlich interessanten Bäkefließes.

Als erhabener, trockener Hügel am sumpfigen Bäketal mit seinen fischreichen Seen war der Fichtenberg schon sehr früh ein bevorzugtes Siedlungsgebiet, wie der Fund von 8.000 bis 10.000 Jahre alten Steinbeilen bezeugt.
Mit der Gründung der Mark Brandenburg durch den Askanier Albrecht den Bären im Jahr 1157 wurden im Zuge der Siedlungspolitik der askanischen Markgrafen weite Teile des Bäketales erschlossen, neue Dörfer mit Kirchen entstanden in schneller Folge, einige bestehende slawische Siedlungen wurden ausgebaut. Am Fichtenberg entstand ebenfalls ein Dorf, das als „Stegelitze“ erstmals 1242 in einer Schenkungsurkunde von Heinrich von Stegelitze nachweisbar ist.

Heute noch sichtbar ist die auf dem ehemaligen Gutspark des Wrangelschlösschens seit 1873 entstandene Kolonie mit prächtigen Villen: „Man hatte verschnörkelte Pferdeställe, geräumige Eiskeller, Remisen für die Kutschen, komfortable Garagen mit hauseigener Benzinzapfsäule für die Maybachs und Horchs. Dass die Gärten, darinnen Schwanenteiche, Pavillons, Grotten, Marmorstatuen und Kegelbahnen waren, zu Recht Parks genannt wurden, versteht sich. Anfangs hatten die Fichtenberger, DIE DORT DROBEN, auch noch aparten Rundumblick auf Berlins Türme, zur Stadt Charlottenburg, nach den Feldern Dahlems, dem Grunewald und das rasant wachsende Groß-Lichterfelde“ (zit. Andreas Grothusen, Die dort Droben - Menschen und Häuser des Steglitzer Fichtenbergs, Berlin 2000).

Die bevorzugte, ruhige Lage des Fichtenbergs zog neben Professoren, Bankiers auch viele Prominente an. Bekannte Verleger wie Wasmuth und Sachs hatten hier ihren Wohnort, aber auch namhafte Literaten wie Rudolf Paulsen, Otto zu Linde, Rudolf Pannwitz, Adolf Heilborn oder Franz Kafka. Erich Pommer, der Produzent der Filme „Metropolis“ und „Der blaue Engel“) lebte hier bis zu seiner Emigration im Jahre 1933, aber auch viele Goldmarkmillionäre wie Carl Schlekeysen (Erfinder der Dampfziegelpresse) oder Max Krause (Erfinder des abgepackten Briefpapiers).

Das Wahrzeichen des Fichtenbergs ist ein imposanter Wasserturm auf dem Gipfel des Berges, entworfen und gebaut durch den Architekten und Landesbaurat Otto Techow im Jahre 1886. Heute wird der ehemalige Wasserturm vom Institut für Meteorologie der Freien Universität genutzt.

Bereich Schlossstraße bis Botanischer Garten

Matthäuskirche

Anstelle der alten Steglitzer Dorfkirche wurde 1877 der Grundstein für die heutige Matthäuskirche gelegt. Kurz nach der Weihe 1880 wurde die alte Kirche abgerissen. Auf der Grünfläche vor der Matthäuskirche stehen zwei Denkmäler, links eines für die Opfer der Berliner Mauer, das 1965 entstanden ist, und rechts eine schlanke Figur, die so genannte „Gefesselte“. Sie wurde 1960 von Gisela von Tzschoppe für die Verfolgten von 1933 bis 1945 geschaffen. Auf dem Friedhof vor der Matthäuskirche liegt der Seidenfabrikant Johann Adolf Heese (1783-1862) begraben. Er gründete mit seinem Seidenraupenbetrieb das erste industrielle Unternehmen in Steglitz.

Schlossstraße 44a
www.matthaeus-steglitz.de

Rathaus Steglitz

Das in den Jahren 1897 und 1898 von den Architekten Reinhardt und Süssenguth im Stile der Neogotik erbaute und unter Denkmalschutz stehende Rathaus Steglitz war Gründungsort der deutschen Wandervogelbewegung.
Der Wandervogel bezeichnet eine 1896 in Steglitz durch das Engagement von Schülern und Studenten bürgerlicher Herkunft entstandene Bewegung. In einer Phase fortschrittlicher Industrialisierung der Städte und angeregt durch die Ideale der Romantik lösten sie sich von den engen Vorgaben des schulischen und gesellschaftlichen Umfelds, um in freier Natur eine eigene Lebensart zu entwickeln. Damit stellte der Wandervogel den Beginn der Jugendbewegung dar, die auch für die Reformpädagogik, Freikörperkultur und Lebensreformbewegung im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts wichtige Impulse setzte.
Den Anstoß zu einer auf Dauer angelegten Organisation der Wanderaktivitäten am Gymnasium Steglitz ging von Karl Fischer aus, der 1901 für die Gründung des Wandervogels als Verein im Ratskeller sorgte. Eine Gedenktafel an der Ecke Grunewaldstraße Schlossstraße erinnert an diesen Gründungsakt.

Grunewaldstraße Ecke Schlosssstraße

Rosenkranz-Basilika

Die Rosenkranz-Basilika wurde als neuromanischer Kuppelbau auf dem Grundriss eines Griechischen Kreuzes 1900 vom Berliner Architekten Christoph Hehl errichtet. Unbeschädigt im Zweiten Weltkrieg sind bis heute die aufwändige Architektur und Innenausstattung original erhalten geblieben. Die Innenausstattung ist überreich an Wandgemälden, Reliefs und plastischen Arbeiten. Die figürlichen Darstellungen beziehen sich auf den Rosenkranz und seine fünfzehn Geheimnisse. Der Hochaltar stammt von Wilhelm Haverkamp.

In den ersten Nachkriegsjahren hat der Bischof von Berlin hier seine Gottesdienste abgehalten, weil die St. Hedwigs-Kathedrale wegen Kriegszerstörungen nicht benutzbar war. Im Jahre 1950 wurde die Kirche durch Papst Pius XII.  zur "Basilica minor" erhoben, womit sie die 2. ranghöchste Basilika in Berlin ist.

Kieler Straße 10
www.rosenkranz-basilika.de

Schlossparktheater

Der ursprünglich zum Wirtschaftstrakt des Gutshauses Steglitz gehörende Flachbau wurde 1920 durch einen Säulenvorbau mit Dreieckgiebel dem klassizistischen Stil des Gutshauses angepasst und zu einem 440 Plätze umfassenden Theater umgebaut.

Nach dem Zweiten Weltkrieg führte Boleslaw Barlog das Theater 27 Jahre lang bis 1972. Unter anderem gehörten Klaus Kinski und Martin Held zum Ensemble. Seine Nachfolger waren erst Hans Lietzau und danach Boy Gobert.
Unter der Leitung von Barlog feierten deutschsprachige Erstaufführungen berühmter zeitgenössischer Dramatiker hier Premiere. Samuel Beckett inszenierte im Hause selbst sein bekanntes Stück „Warten auf Godot“ und Hildegard Knef hatte im Schlossparktheater ihr Theaterdebüt. Für die Uraufführung der von Max Brod dramatisierten Fassung von „Das Schloss“ von Franz Kafka wurde das Ensemble des Theaters 1953 mit dem Deutschen Kritikerpreis ausgezeichnet.

Die Bühne wurde 1993 als Staatstheater aufgegeben und bis 1999 als subventioniertes Privattheater von Heribert Sasse weiter betrieben. 2003 wurde die Leitung des Hauses vom Senat ausgeschrieben und die Schauspieler Andreas Gergen und Gerald Michel mit der TOYS Musicalproduktion erhielten den Zuschlag für die Bespielung ab Oktober 2004. Während dieser Zeit wurde das Schlossparktheater vorwiegend für Musical- wie Schauspiel-Produktionen genutzt. Seit 2006 war der Unterhaltungskonzern Stage Entertainment finanzkräftiger Partner des Schlossparktheaters, doch die Zuschauerzahlen erreichten auch unter neuer Leitung nicht das erwartete Niveau und das Theater wurde geschlossen.
Seit September 2009 hat das renommierte Schlossparktheater wieder einen neuen Betreiber: Dieter Hallervorden, bekannt durch seine Kabarett- und Comedy-Spielstätte "Die Wühlmäuse" in Charlottenburg.

Schlossstraße 48
www.schlossparktheater.de

Schwartzsche Villa

Die Schwartzsche Villa wurde zwischen 1895 und 1897 für den im Ruhestand lebenden Bankier Carl Schwartz durch den Architekten Christian Heidecke erbaut. 1898 wurde sie, auf Grund der Taufe seines ersten Enkels Wolfgang Schwartz, eingeweiht und bis zum Zweiten Weltkrieg von der Familie bewohnt. Unterschiedlich genutzt wurde die Immobilie 1961 von der Erbengemeinschaft durch das Land Berlin erworben.

Beabsichtigt war zunächst ein Erweiterungsbau des Rathauses. Spätere Bebauungspläne sahen die Errichtung eines "Hauses der Erwachsenenbildung" (VHS) oder eines Hallenbades vor. Die "Kulturinitiative Lankwitz " setzte sich seit Anfang 1981 für die Erhaltung und den Ausbau der Villa zum Kulturzentrum ein. Sie veranstaltete im Juni 1981 ein erstes Straßenfest auf dem Hermann–Ehlers–Platz, mit dem sie für ihre Idee warb.

1983 wurde das Haus unter Denkmalschutz gestellt. Am 25. Mai 1983 gründete sich der "Trägerverein Kulturhaus Schwartz’sche Villa", der ein erstes Nutzungskonzept entwickelte. In der Folge fiel die Entscheidung für ein Kulturzentrum. Im Februar 1992, genau 97 Jahre nach der Einweihung des Sommersitzes, erlebte das Haus seine zweite Grundsteinlegung. 1995 wurde die Schwartzsche Villa als Kulturhaus in der Trägerschaft des Bezirksamtes eröffnet.

Das Haus ermöglicht eine vielfältige Nutzung: Im Dachgeschoss gibt es ein Atelier, das für mehrere Wochen vergeben wird. Im Obergeschoss befinden sich die Galerie und das Zimmertheater, im Erdgeschoss der Große und Kleine Salon mit einem Flügel sowie das Kaminzimmer als Sitzungsraum. Im Keller gibt es eine Radierwerkstatt, ein Fotolabor sowie eine Probebühne.

Das Kultur- und Bibliotheksamt, Fachbereich Kultur, betreibt die Galerie und veranstaltet einige Konzerte und Lesungen. Das Gros der Veranstaltungen – vorwiegend klassische Konzerte, Lesungen mit Musik, Kindertheater sowie kleinere Theaterproduktionen für Erwachsene – wird in Eigenverantwortung der Veranstalter durchgeführt. Für viele Künstler war die Schwartzsche Villa ein wichtiger Ort am Anfang ihrer Karriere wie beispielsweise für die Autorin Julia Franck, die Pianistinnen Sonja & Shanti Sungkono, den Schriftsteller Zoran Drvenkar, die Chansonsängerin Tanja Ries, die Autorin Olga Tokarczuk und den Club der Polnischen Versager. Mittlerweile finden jährlich mehr als 300 Veranstaltungen in der Schwartzschen Villa statt.

Das Café Schwartzsche Villa (täglich von 10 – 24 Uhr geöffnet) wird betrieben von Mosaik gGmbH, einer Einrichtung zur beruflichen Wiedereingliederung für Behinderte (in der Schwartzschen Villa vorwiegend Psychiatrie-Patienten).

Grunewaldstraße 55
www.schwartzsche-villa.de

Spiegelwand

Die Remise eines alten Hauses ließ der Kaufmann Moses Wolfenstein, Vorsitzender des Religiösen Vereins Jüdischer Glaubensgenossen in Steglitz, zu einer Synagoge umbauen, eine von circa 80 Privat- und Vereinssynagogen, die im Raum von Groß-Berlin bis 1938 bestanden. Nach dem Krieg wurde die Remise privat genutzt und war seither nicht öffentlich zugänglich. Versuche, an die Synagoge durch eine Gedenktafel zu erinnern oder das Gebäude selbst in diesem Sinn zu nutzen, reichen bis in die 50er Jahre zurück. Erst der Umbau des Hermann-Ehlers-Platzes konnte als Anlass genommen werden, auf dem zukünftigen Marktplatz vor dem Vorderhaus ein Denkmal für ehemalige Synagoge und den Nachkriegsumgang mit diesem Ort sowie für das jüdische Leben in Steglitz zu errichten. Wolfgang Göschel und Joachim von Rosenberg, die 1992 in Zusammenarbeit mit dem Historiker Hans-Norbert Burkert den Wettbewerb gewannen, entwarfen eine hochglanzpolierte Edelstahlwand, die zentral auf dem Platz das Marktgeschehen und den Betrachter spiegelt, diesen aber zugleich konfrontiert mit den eingravierten Namen, Geburtsdaten und Anschriften von jüdischen Deportierten aus ganz Berlin, mit Transportlisten, soweit diese auch Steglitzer Adressen enthalten, und mit Text- und Bilddokumenten zu Geschichte und Gegenwart jüdischen Lebens. Der Realisierung 1995 ging eine heftige und langwierige Kontroverse voraus.

Herrmann-Ehlers-Platz

Ehemaliges SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt

Das SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt war eine zentrale Stelle für die industrielle und ökonomische Ausbeutung der europäischen Juden, deren Ermordung und die Verwertung ihres Eigentums. Es wurde 1942 geschaffen und verwaltete die SS-eigenen Industrien, Gewerbe und Betriebe in den Konzentrationslagern. Allgemein war es für die Lagerleitung zuständig und organisierte die Wachkommandos. In diesem Gebäude befand sich auch eine Sammelstelle für den Abtransport von Juden in die Vernichtungslager. Eine Schautafel erinnert an die Vergangenheit des Hauses.

Unter den Eichen 126 bis 135

Titania-Palast

Der 1928 eröffnete Titania-Palast ist ein traditionsreiches Kino, das vor dem Zweiten Weltkrieg bis in die 1960er Jahre weit über die Grenzen Berlin hinaus bekannt war. Heute befindet sich in dem denkmalgeschütztem Gebäude neben mehreren Geschäften ein modernes Kino mit sieben Sälen unterschiedlicher Größe.

Das im Stil der Neuen Sachlichkeit von den Architekten Schöffler, Schlönbach & Jacobi erbaute und an amerikanischen Vorbildern orientierte kubische, fast klotzige Gebäude stellte mit seiner nahezu völlig schmucklosen Fassade zum Zeitpunkt der Erbauung eine Sensation dar, die auch vom damaligen Publikum und der Presse positiv aufgenommen wurde. Als Luxuskino sollte der Titania-Palast Bedeutung für ganz Berlin haben. Als repräsentatives Großkino mit Bühne besaß es einen großen Saal von 1.920 Plätzen. Der Eingang des Kinos befand sich damals direkt an der Schlossstraße an der Ecke zur Guthsmuthsstraße. Der Eingang führte zu einem großen im Stil des Art Déco ausgestalteten Foyers, in dem es auch ein Café gab. Schon die Eröffnungsfeier mit dem Film „Der Sprung ins Glück“ mit damalig beliebten Stars wie Hans Junkermann, Otto Gebühr und Hans Brausewetter hatte den Charakter einer Großveranstaltung. In der Folgezeit wurden hier viele Uraufführungen gezeigt. Die eigentliche große Stunde des Gebäudes kam jedoch nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Titania-Palast hatte nur geringfügige Bombenschäden davon getragen. Am 26. Mai 1945 konnten daher die Berliner Philharmoniker hier ihr erstes Konzert nach Kriegsende geben. Da die alte Philharmonie zerstört war, bot das Luxuskino eine willkommene Ausweichstätte und wurde für lange Zeit ständiger Spielort des Berliner Philharmonischen Orchesters.

Der Mangel an großen Sälen einerseits und die technische Ausstattung des Hauses auch als Bühne andererseits verhalfen dem Titania-Palast daher in den Nachkriegsjahren zu einem Aufstieg als kulturelles Zentrum von Berlin. Am 4. Dezember 1948 wurde im Titania-Palast die Freie Universität Berlin offiziell in einer feierlichen Veranstaltung eröffnet. Und am 18. April 1950 forderte der Bundeskanzler Konrad Adenauer im Titania-Palast seine Zuhörer auf, die dritte Strophe des Deutschlandliedes, das in dieser Zeit von den Alliierten verboten war, zu singen.

Ein herausragendes – im vom Krieg zerstörten Berlin sinnstiftendes – Ereignis waren ab 1951 die ersten Internationalen Filmfestspiele in Berlin (Berlinale). Sechs Jahre nach Kriegsende und zwei Jahre nach dem Start des Filmfestivals von Cannes ging die Berlinale auf eine kulturpolitische Initiative der amerikanischen Alliierten zurück. Sie sollte einen Impuls zum Wiederaufbau der technisch und kulturell destruierten deutschen Filmindustrie geben. Diese Berlinale wurde am 6. Juni 1951 eröffnet und fand allerdings nur ein einziges Mal im Titania-Palast statt. Als Eröffnungsfilm wurde Alfred Hitchcocks Rebecca präsentiert, Stargast war die amerikanische Schauspielerin Joan Fontaine.

Ab 1953 wurde der Titania-Palast wieder dauerhaft zur deutschen Nutzung von den Amerikanern freigegeben und eine Mischung aus Kinofilmen, Operetten, Konzerten und weiteren Sonderveranstaltungen bildete das Programm. Musicals, Kabarett, Filme, Hausfrauennachmittage und Unterhaltung für Kinder wechselten sich ab. Viele Weltstars der 1950er-Jahre waren im Titania-Palast zu Gast. Louis Armstrong, Marlene Dietrich, Zarah Leander, Josephine Baker, Yehudi Menuhin und Maurice Chevalier waren die bekanntesten unter den zahlreichen Berühmtheiten.

Dieser beispiellosen Blüte folgte mit fortschreitendem Wiederaufbau Berlins, der Fertigstellung der Deutsche Oper, der Philharmonie, der Freien Volksbühne und vieler neuer Kinos ein ebenso rasanter wirtschaftlicher Niedergang. Aufgrund des Mauerbaus und der Entwicklung des Fernsehens im Laufe der 1960er-Jahre waren die Besucherzahlen wie in anderen Kinos auch zunehmend rückläufig. Im Dezember 1965 wurde der letzte Film gezeigt und einen Monat später die letzte Operette gespielt. 1966 entging der Titania-Palast nur knapp dem Abriss. Dies verhinderte der Berliner Energieversorger Bewag indem er ein Teil des Gebäudes pachtete. Der große Saal des Titania-Palasts wurde an Einzelhandelsgeschäfte vermietet. Weitere Gebäudeteile wurden von 1972 bis 1994 als Probebühne genutzt.

Mit der Renaissance des Kinos entstand Mitte der 1990er-Jahre ein neues Nutzungskonzept. Das Gebäude wurde hierzu vollständig entkernt und umgebaut. Mit der Schließung der Probebühne begann der Bau der neuen Kinosäle und am 24. Mai 1995 wurden nach knapp drei Jahrzehnten erstmalig im Gebäude wieder Filme gezeigt.

Gutsmuthstraße 27/28
http://www.cineplex.de/kino/home/city61

Wrangelschlössschen

Auf dem Hof eines alten Rittergutes im Dorfkern von Steglitz entstand in den Jahren 1795 bis 1801 durch David Gilly der Vorgängerbau des Gutshauses Steglitz. Bis zum Rohbau ausgeführt erwarb Kabinettsrat Carl Friedrich von Beyme, der spätere Großkanzler und Justizminister das Grundstück, und baute das Gutshaus bis 1804 unter der Leitung von Heinrich Gentz um.

Das „Beyme-Schlösschen“ wurde nach dem Tode des Bauherrn verkauft und das Grundstück in Parzellen aufgeteilt und verkauft, die dann schrittweise bebaut wurden. Der Name „Wrangelschlösschen“ geht zurück auf den Oberkommandierenden Feldmarschall Friedrich Heinrich Ernst Graf von Wrangel, der an der Niederschlagung der 1848er Revolution beteiligt war und der nach 1850 des Öfteren einen Sommeraufenthalt in dem – in fiskalischem Besitz – befindlichen – Gutshaus in Steglitz machte. Obwohl es sich um ein Herrenhaus handelte, wurde das Gutshaus aufgrund seiner schönen Erscheinung im Volksmund als Schloss bezeichnet und gab damit der Steglitzer Schlossstraße ihren Namen.

Heute ist das Gutshaus Steglitz neben dem Humboldt-Schloss in Tegel eines der letzten erhaltenen Bauerzeugnisse des preußischen Frühklassizismus.
Heute finden hier Ausstellungen, Konzerte und andere Veranstaltungen statt. In dem Gebäude werden auch Trauungen des bezirklichen Standesamtes vorgenommen. Für private Feierlichkeiten können zudem Räume angemietet werden.

Schlossstraße 48
http://www.berlin.de/ba-steglitz-zehlendorf/derbezirk/gutshaus-steglitz.html